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Frühgeborenenscreening

Die Netzhaut bei Frühgeborenen

Wird ein Kind früher geboren, ist die Netzhaut noch nicht vollständig ausgereift. Das erkennt man daran, dass die Blutgefäße der Netzhaut noch nicht ausgewachsen sind. Die Blutgefäße wachsen von der Mitte des Auges nach außen. Je früher ein Kind geboren wird, umso weniger weit sind die Gefäße nach außen gewachsen.

Dies ist meistens problemlos, weil das weitere Wachstum der Blutgefäße bei vielen Kindern trotzdem völlig ungestört verläuft. Insbesondere bei sehr unreifen Kindern kann es jedoch zunächst zu einer Unterbrechung des normalen Wachstums kommen.

Im weiteren Verlauf kann ein überschießendes Gefäßwachstum einsetzen, bei der die Netzhautgefäße ihre normalen Bahnen verlassen und in das Augeninnere, den Glaskörper hineinwachsen. Dann besteht Gefahr, dass

die überschießende Gewebsneubildung zu einer Netzhautablösung führt. Diese Netzhautablösung würde für das Kind einen schweren Sehverlust bedeuten.

Es ist jedoch bei einer solchen überschießenden Gewebsneubildung in den meisten Fällen möglich, die Erblindung bei frühzeitiger Behandlung mit einer Kälte- oder Laserkoagulation zu verhindern. Aufgrund der regelmäßigen Kontrolle und bei einer frühzeitigen Behandlung haben wir bei unseren Kindern in den letzten fünf Jahren keine Erblindung mehr beobachtet.

Warum eine augenärztliche Untersuchung?

Leider gibt es keine Möglichkeit vorherzusagen, welches Kind ein Problem an den Augen entwickeln wird und welches nicht. Aus diesem Grunde wird eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung durchgeführt, bis für die Kinder kein Risiko mehr besteht.

Welche Kinder sollten untersucht werden?

Es gibt verschiedene Faktoren, die die Gefäßentwicklung beeinflussen können. In zahlreichen Studien hat sich gezeigt, dass ein Risiko umso höher ist, je unreifer ein Kind ist, d. h. je niedriger das Gewicht und die Schwangerschaftsdauer ist. Daher untersuchen wir Kinder, die mit weniger als 1.500 g geboren werden. Kinder mit höherem Geburtsgewicht werden nur bei Vorliegen zusätzlicher Risikofaktoren wie längerer Beatmung, Operationen oder schweren Erkrankungen in die Vorsorgeuntersuchung mit einbezogen.

Was geschieht bei der Augenuntersuchung?

Um die Netzhaut am Augenhintergrund gut und schnell untersuchen zu können, bekommt Ihr Kind zunächst dreimal Augentropfen, die die Pupillen weitstellen. Unmittelbar vor der Untersuchung werden Betäubungstropfen getropft, welche die Berührung des Auges völlig schmerzfrei machen. Es wird ein Sperrer eingesetzt, der die Augenlider offenhält. Dann wird mit einem Augenspiegel und einer Lupe der Augenhintergrund ringsherum untersucht. Da die zu erwartenden Netzhaut-veränderungen meistens zum Rande der Netzhaut liegen, wird das Auge zusätzlich mit einem Hilfsinstrument gedreht. Diese Untersuchung sieht etwas unangenehm aus, ist aber für das Kind nicht schmerzhaft. Die meisten Kinder schreien trotzdem, weil sie nicht wissen was auf sie zukommt und weil sie durch das helle Licht geblendet werden.